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Erschienen am 17.02.2010
Frauen sind keine Abzocker
Alexandra Perina-Werz, Fraktionssekretärin
"Frauen gehören ins Haus – ins Bundeshaus". Die legendäre Aussage der verstorbenen ehemaligen Ständeratspräsidentin Josi Meier ist aktueller denn je. Erstmals in der Schweizer Geschichte werden die politischen Räte der Schweiz von drei Frauen präsidiert. Und siebenhundert Frauen aus allen Landesteilen haben vor einer Woche den Weg nach Bern gefunden und für einen Tag das Bundeshaus dominiert. Mit Freude hätte Josi Meier diesen Samstag miterlebt.
Für einmal waren ausser ein paar Fotografen und Journalisten keine Männer im Bundeshaus anzutreffen. Wer am letzten Samstag dabei war, musste feststellen, es hat jedoch an nichts gefehlt. Die unterschiedlichsten Referentinnen, eine Physikerin, eine Lastwagenfahrerin, eine Bäuerin und Mutter von elf Kindern, eine Wirtschaftsfrau und Mitglied einer Konzernleitung, eine Sportlerin sowie die charmante Miss-Handicap haben mit ebenso unterschiedlichen weiblichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur diskutiert, Positionen ausgetauscht über individuelle Lebensläufe informiert und Visionen entwickelt. Es geschah in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und der Offenheit.
Unsere Gesellschaft besteht zu über 50 Prozent aus Frauen. Dennoch sind Frauen in den höchsten Ebenen der Wirtschaft untervertreten. Es wird auch in der Politik zunehmend schwierig, junge Frauen zu überzeugen, aktiv mitzumachen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass erfolgreiche Frauen wie unsere drei Ratspräsidentinnen sowie all die vielen Frauen, welche am Samstag im Bundeshaus waren, als Vorbilder agieren und junge Frauen ermutigen, neue Wege zu gehen.
Ich rate den jungen Frauen von heute, die "klassischen" Frauenberufe den Männern zu überlassen. Ich denke an Berufe wie Pflegefachfrau, Kindergärtnerin, Personalfachfrau, Bodenreinigungsfachfrau oder Lehrerin. Ich ermutige sie Berufe in technischen, naturwissenschaftlichen oder ökonomischen Bereichen in Betracht zu ziehen. Gefragt sind Finanzmarktspezialistinnen oder –Analystinnen, Risikomanagerinnen, Informatikerinnen oder IT-Sicherheitsspezialistinnen.
Wer den Aufmarsch der 700 Frauen im Bundeshaus und die Qualität der Referate und Diskussionen miterlebt hat, zieht einen Schluss: Es braucht mehr Frauen in wichtigen Ämtern und Positionen. Ihre Tugenden sind gefragt. Tugenden wie Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gesellschaft, Familie und Staat, grosse Einsatzbereitschaft für die Sache, Sinn für das richtige Mass, Umsichtigkeit und ganz besonders braucht es in der Analyse einer Situation mehr Herz und Verstand.
Haben nicht Habgier, Masslosigkeit, Aggressivität und Verantwortungslosigkeit einiger weniger eine Finanz- und danach eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst? Ich liege nicht falsch, wenn ich sage: Es waren alles Männer. Frauen sind keine Abzocker. Und es ist nicht vermessen, wenn ich sage: Frauen wäre das nicht passiert. Frauen hätten anders gehandelt: Bodenhaftigkeit beweisen, den Sinn fürs Machbare nicht aus den Augen verloren, den Überblick behalten und eine grössere soziale Verantwortung gezeigt. Wir wollen den Beweis erbringen, deshalb gehören wir nicht nur in unser eigenes Haus, sondern in alle wichtigen Häuser dieser Welt.
Aber fordern wir nicht nur, tun wir auch etwas dafür! Ziehen wir auch ein!
Kontakt: Alexandra Perina-Werz
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